1. Herzfitness

Die Elektrokardiografie, kurz EKG, stellt die elektrischen Vorgänge im Herzmuskel grafisch dar. Das ermöglicht dem Arzt vielfältige Rückschlüsse auf die Herzfunktion und die Fitness des Patienten. Das EKG ist aus dem medizinischen Alltag längst nicht mehr wegzudenken. Es liefert Hinweise auf verschiedenste Herzerkrankungen, angefangen von Herzrhythmusstörungen über die Herzmuskelentzündung bis hin zum Herzinfarkt. Es gibt drei unterschiedliche EKG-Arten: Ruhe-EKG, Langzeit-EKG und das Belastungs-EKG, die bei bestimmten Fragestellungen herangezogen werden.

Wie funktioniert ein EKG?

Damit das Herz fortlaufend Blut durch das Gefäßsystem befördert, müssen sich sowohl die Herzkammern als auch die Vorhöfe im richtigen Moment zusammenziehen und wieder entspannen. Um diese zeitlich abgestimmte Aktivität der Herzmuskelzellen zu bewerkstelligen, besitzt die "Pumpe" ein Erregungsbildungs- und Erregungsleitungssystem. Der Sinusknoten nimmt eine Schlüsselposition ein. Hier entsteht die elektrische Erregung, die das Zusammenziehen der Muskelzellen bewirkt. Weil er das Herz rhythmisch antreibt und die Frequenz des Herzschlags vorgibt, wird der Sinusknoten auch als körpereigener "Schrittmacher" bezeichnet. Die vom Sinusknoten ausgehenden elektrischen Impulse pflanzen sich über das Erregungsleitungssystem fort. Sie erregen zuerst die Vorhöfe, dann die Herzmuskelzellen der beiden Kammern, die das Blut in die Lungen- und die Körperschlagader (Aorta) auswerfen. Im Verlauf eines jeden Zyklus bildet sich die Erregung zurück, wiederum zuerst in den Vorhöfen und danach in den Kammern. Während all dieser Phasen kommt es am Herzen zu Änderungen der elektrischen Spannung, die – wenn auch stark abgeschwächt – bis zur Körperoberfläche weitergeleitet werden. Diese Spannungsschwankungen greifen die auf der Haut aufgebrachten EKG-Elektroden kontinuierlich ab. Das EKG-Gerät zeichnet die Signale auf, verstärkt sie und stellt sie dann als Kurve dar. Was der Arzt auf diesem Elektrokardiogramm sieht, ist ein immer wiederkehrendes Bild der elektrischen Herzaktion, mit Bildung, Weiterleitung und Rückbildung der Erregung. Heute werten Computerprogramme das EKG aus. Sie können den Arzt bei der Beurteilung zwar unterstützen, aber nicht ersetzen.

Langzeit-EKG und Belastungs-EKG – zwei Sonderformen der Elektrokardiografie

Diese beiden Varianten der Elektrokardiografie setzt der Arzt bei Fragestellungen ein, die sich mit einem Ruhe-EKG nicht hinreichend beantworten lassen. Beim Langzeit-EKG bekommt der Patient ein kleines, tragbares EKG-Gerät, das seine Herzstromkurve kontinuierlich registriert, meist über 24 Stunden, manchmal auch über 48 oder mehr Stunden. Die Messdaten werden dann am Computer ausgelesen und ausgewertet. Das Langzeit-EKG dient hauptsächlich dazu, Herzrhythmusstörungen zu entdecken, die nur vorübergehend auftreten– und deshalb im vom normalen EKG erfassten Zeitraum möglicherweise nicht vorkommen. Im Untersuchungszeitraum protokolliert der Patient seine Aktivitäten und auftretende Beschwerden. Dadurch lassen sich Auffälligkeiten im EKG mit entsprechenden Ereignissen – beispielsweise sportlicher Aktivität – in Zusammenhang bringen. Das Belastungs-EKG wird rein technisch genauso geschrieben wie ein Ruhe-EKG. Der Unterschied ist, dass sich der Untersuchte während der Messung auf einem sogenannten Ergometer körperlich anstrengt. Die Belastung passt der Untersucher individuell an, abhängig von Alter und Fitness des Patienten, und erhöht sie stufenweise nach einem festgelegten Schema. Während der Belastung und anschließenden Erholung beobachtet der Arzt sowohl die Herzstromkurve als auch Blutdruck und Puls. Sinn und Zweck des Belastungs-EKG ist, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erkennen, die sich erst bei körperlicher Anstrengung bemerkbar machen. Also beispielsweise Durchblutungsstörungen an den Herzkranzgefäßen (koronare Herzkrankheit) oder eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Außerdem lässt sich mit dieser Form der Elektrokardiografie die momentane körperliche Leistungsfähigkeit ermitteln, bei Gesunden wie bei Kranken.

Wann wird ein EKG gemacht?

Im Elektrokardiogramm kann der Arzt Störungen des Herzrhythmus und der Erregungsausbreitung im Herzen erkennen. Daraus kann er dann Rückschlüsse auf Erkrankungen und Umstände ziehen, die entweder unmittelbar das Herz betreffen oder aber dessen Funktion beeinträchtigen. Dazu gehören: Bei all diesen Erkrankungen hilft die Elektrokardiografie auch dabei, den Verlauf zu kontrollieren und zu prüfen, wie gut eine Behandlung anschlägt.

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